Rosazea

Die Rosazea, auch Kupferrose genannt, ist eine chronische, entzündliche, akneähnliche Dermatose, die vorwiegend zentrofazial auftritt.1,2,3 Sie ist gekennzeichnet durch das Auftreten wiederkehrender Erytheme, Teleangiektasien und Papulopusteln.1

Epidemiologie und Klassifikation

Während die Rosazea weltweit bei bis zu 5,5 % der Bevölkerung auftritt3-5, sind in Nordeuropa, wo ein hellhäutiger Hauttyp vorherrscht, ca. 10-20 % betroffen.1 Die Hauterkrankung manifestiert sich vor allem zwischen dem dritten und vierten Lebensjahrzehnt mit einem Höhepunkt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weisen jedoch meist einen milderen Verlauf auf.

Pathogenese

Die Ursachen der Rosazea sind nicht vollständig geklärt, von einer genetischen Prädisposition der Hauterkrankung wird ausgegangen.1 Für die Entstehung dieser Hauterkrankung werden Störungen im angeborenen Immunsystem und neuroinflammatorische Mechanismen diskutiert.7  
Zu den Provokationsfaktoren einer Rosazea zählen neben stark gewürzten Speisen auch Koffein, Nikotin und Alkohol. Auch Stress, eine hormonelle Umstellung, eine UV-Exposition und Hitze oder Kälte tragen zum Auftreten der Symptome bei. Es wird angenommen, dass diese Faktoren zu lokalen Entzündungsreaktionen und Veränderungen der Gefäßregulation führen, woraufhin sich in betroffenen Hautbereichen der klassische Phänotyp der Rosazea zeigt.1
 

Klinik und Diagnostik

Erste Anzeichen der Erkrankung sind flüchtige, anfallsartig anfallende Erytheme im Gesicht, sogenannte Flushes, die vor allem durch die verschiedenen Provokationsfaktoren ausgelöst werden. Im späteren Verlauf der Erkrankung persistieren diese.1 Die Rosazea wird typischerweise in drei Schweregrade eingeteilt, die sich durch unterschiedliche klinische Merkmale kennzeichnen:1,6

Typ I: Im ersten Stadium treten persistierende Erytheme, Teleangiektasien, aber noch keine Pusteln auf. Patienten berichten von Brennen, Juckreiz und Trockenheit an entsprechenden Hautstellen.
Typ II: Im zweiten Stadium persistieren Erytheme für einen längeren Zeitraum. Zudem sind in diesem Schweregrad entzündlich gerötete, meist symmetrisch angeordnete Papeln und Pusteln sichtbar. Die Erytheme breiten sich im weiteren Verlauf über das gesamte Gesicht aus und können in wenigen Fällen auch auf Hals, Brust und Kopfhaut übergehen.
• Typ III: Die dritte Form ist an den großflächigen entzündlichen Knoten und Plaques sowie an einer Talgdrüsen- und Bindegewebshyperplasie erkennbar. In der Folge führt dies zu einer Vergrößerung der Nase (Rhinophym), der Stirn (Metophym) oder des Kinns (Gnatophym).

Bei 30-50 % der Betroffenen treten die Effloreszenzen auch im Bereich der Augen auf – Blepharitis, Konjuntivitis, Iridozyklitis oder Keratokonjunktivitis sind typische Symptome.7 Neben der oben beschriebenen Form treten zahlreiche Sonderformen auf.6,7 

Diagnose

In der Anamnese sollten Provokationsfaktoren und die typische Klinik der Erkrankung Beachtung finden. Da häufig auch eine okulare Beteiligung der Rosazea nachgewiesen wird, ist das Durchführen von Augenuntersuchungen empfohlen.
 
Differenzialdiagnostisch sollte die Acne papulopustulosa, bei welcher im Gegensatz zur Rosazea Komedonen auftreten, sowie die periorale Dermatitis, die Demodex-Follikulitis, eine photoallergische Reaktion und Lupus erythematodes (Unterscheidung mittels Histologie) berücksichtigt werden.
 

Therapie

Die Wahl einer geeigneten Rosazea-Therapie ist abhängig vom vorliegenden Stadium der Erkrankung. Bei allen Formen sollten nach Möglichkeit auslösende Substanzen sowie weitere reizende Agenzien gemieden werden. Zudem ist im Allgemeinen ein konsequenter Schutz vor UV-Strahlung von großer Bedeutung.1,7,8
Bei Vorliegen einer Rosazea in den Stadien I und II werden topische Arzneimittel (z. B. Brimonidin, Metronidazol, Azelainsäure) zur symptomatischen Behandlung empfohlen. Im Stadium III sollte eine systemische Therapie (z. B. Tetrazykline) eingeleitet werden. Treten Phyme auf, können diese operativ abgetragen oder mittels Lasertherapie behandelt werden.6-8 Die Rosazea ist trotz der genannten Maßnahmen derzeit nicht heilbar.
 

Quellen

1. Sterry W; Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, 2. Auflage. 2018. 
2. Rainer BM, Kang S, Chien AL; Dermatoendocrinol. 2017; 9:e1361574.
3. Gether L, Overgaard LK, Egeberg A, Thyssen JP; Br J Dermatol. 2018; 179:282-9.
4. Rivero AL, Whitfeld M; Aust Prescr. 2018; 41:20-4.
5. Picardo M, Eichenfield LF, Tan J; Dermatol Ther (Heidelb). 2017; 7:43-52.
6. Lehmann PM; Übersichtsarbeit Rosazea. Dtsch Ärztebl. 2007; 140:1741-6.
7. Reinholz M et al.; Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Rosazea. Aufrufbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-065l_S1_Rosazea_2014-04-abgelaufen.pdf. Zuletzt aufgerufen: Juni 2019.
8. Juliandri J; Global rosacea treatment guidelines and expert consensus points: The differences. J Cosmet Dermatol. 2019; DOI: 10.1111/jocd.12903.