Kontaktekzem

Kontaktekzem

Kontaktekzeme sind Entzündungsreaktionen der Haut, die nach dem direkten Kontakt mit exogenen, nichtinfektiösen Substanzen (Allergene, Reizstoffe) auftreten. Diese auch als Kontaktdermatitis bezeichnete Erkrankung zählt in Deutschland zu den häufigsten Hauterkrankungen.

Inhalt auf einen Blick:

  • Epidemiologie und Klassifikation
  • Pathogenese
  • Klinik und Diagnostik
  • Therapie
  • Quellen

 

EPIDEMIOLOGIE UND KLASSIFIKATION

Geschätzt leiden in Deutschland 15 bis 20 % der Bevölkerung an einem Kontaktekzem, auch Kinder sind häufig betroffen. Die Inzidenzen fallen dabei in verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich aus. Bei Kontaktekzemen wird zwischen einer allergischen Form nach vorausgegangener Sensibilisierung (allergisches Kontaktekzem) und einer nichtallergischen Form (toxisches/irritatives Kontaktekzem), welche unabhängig von einer vorausgegangenen Sensibilisierung, durch eine direkte Schädigung der Haut entsteht, unterschieden. Es ist möglich, dass beide Formen gleichzeitig vorliegen. Das toxische Kontaktekzem tritt 5- bis 10-mal häufiger auf als die allergische Form.

 

PATHOGENESE

Dem allergischen Kontaktekzem liegt eine Sensibilisierung von T-Zellen mit einem Allergen zugrunde. Bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Allergen besiedeln die sensibilisierten T-Zellen betroffene Hautregionen und lösen dort eine Entzündungsreaktion aus (Typ-IV allergische Reaktion). Neben Alltagsprodukten können auch Stoffe, welchen bestimmte Berufsgruppen ausgesetzt sind, zur Entstehung eines allergischen Kontaktekzems führen:

  • Metalle wie Nickel (z. B. in Schmuck)
  • Chromate (z. B. in Leder)
  • Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Cremegrundlagen (z. B. in Kosmetika)
  • Wirkstoffe lokaler Therapeutika (Antibiotika wie z. B. Neomycin)
  • Gummiinhaltsstoffe (z. B. in Schuhen)
  • Farbstoffe (z. B. in Kleidung)
  • Pflanzliche und Naturprodukte (z. B. Latex) 

Die akut toxische Form entsteht durch den Kontakt zu obligaten Toxinen (wie Säuren und Basen). Innerhalb weniger Stunden entstehen am betroffenen Hautbereich Erytheme und Hautläsionen. Durch häufigen Kontakt zu weniger giftige Substanzen (wie Seifen und Reinigungsmittel) kommt es mit der Zeit zu einer Schädigung der epidermalen Hautbarriere und zur Ausbildung von Erythemen und Erosionen. Diese sogenannten irritativen Kontaktekzeme weisen einen chronischen Verlauf auf.

 

KLINIK UND DIAGNOSTIK

 

Kontaktekzeme treten in der Regel nur an der betroffenen Hautstelle auf. Charakteristisch für akute allergische Kontaktekzeme sind je nach Schweregrad begrenzte Plaques und Bläschen. Betroffene klagen häufig über einen starken Juckreiz. Bei chronischen Kontaktekzemen hingegen sind weniger Rötungen und Bläschen, sondern vielmehr Hyperkeratosen, Rhagaden (Einrisse der Haut) und Lichenifikationen (Vergröberung der Hautfelderung) kennzeichnend. Wenn bei der allergischen Form Allergene in das Blut gelangen, kann eine Reaktion auch an anderen Hautstellen auftreten. Im Gegensatz hierzu bilden sich bei einem toxischen Kontaktekzem keine Streuherde, die Ekzeme weisen eine scharfe Begrenzung auf. 

Diagnose

Eine gründliche Anamnese und die Lokalisation eines allergischen Kontaktekzems können bereits Hinweise auf den entsprechenden Auslöser liefern. Im Gespräch werden dabei zeitliche und örtliche Zusammenhänge der Entzündungen, Hobbies, das Berufsfeld sowie die verwendeten Kosmetika und Haushaltsprodukte mit einbezogen. Standardmäßig wird das allergische Kontaktekzem mittels Epikutantestung diagnostisch bestätigt. In die Differentialdiagnose sollten neben dem atopischem Ekzem auch Mykosen und bakterielle Infektionen mit einbezogen werden. Im Einzelfall sind das allergische und das toxische Kontaktekzem klinisch nicht eindeutig voneinander unterscheidbar.

 

THERAPIE

In erster Linie sollten Patienten versuchen, die jeweiligen Allergene zu meiden. Ist dies nicht möglich, muss gegebenenfalls eine langfristige Therapie eingeleitet werden. Im akuten Stadium helfen bei einem allergischen Kontaktekzem feuchte kühlende Umschläge zur Entzündungshemmung. Topische Glukokortikoide (z. B. Methylprednisolonaceponat) tragen zur Abheilung bei. Wird die Erkrankung chronisch, sind ggf. potentere Glukokortikoide oder eine Ciclosporin-Behandlung notwendig. Auch bei der toxischen Form können kurzfristig Glukokortikoide zur Linderung der Symptome beitragen. Bei chronischen allergischen Kontaktekzemen kann zudem eine UV-Therapie in Erwägung gezogen werden.

 

Quellen

  1. Sterry W; Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, 2. Auflage. 2018.
  2. Bircher AJ, Navarini A, Simon D et al.; Swiss Medical Forum. 2017; 17(25):538543.
  3. Brasch J, Becker D, Aberer W et al.; Allergo J Int. 2014; 23(4):126–138.