Acne vulgaris

ACNE VULGARIS BEI ERWACHSENEN FRAUEN

Acne vulgaris, eine multifaktorielle Erkrankung der Talgdrüsenfollikel, zählt zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen weltweit. Vor allem Jugendliche in der Pubertät sind von der, oft auch vereinfacht als Akne bezeichneten, Hautkrankheit betroffen. 1,2 Aber auch immer mehr Frauen zwischen 20 und 30 Jahren leiden an der chronischen, inflammatorischen Hautkrankheit.3 
 

Epidemiologie und Klassifikation

Die Manifestation der Acne vulgaris findet in verschiedenen Altersabschnitten statt – die meisten Fälle treten im Alter zwischen 12 und 20 Jahren auf. Die Prävalenz der Erkrankung ist mit 80-90 % sehr hoch.1 In den meisten Fällen klingt die Acne vulgaris nach einigen Jahren wieder ab, bei einigen Patienten kommt es jedoch zu einer Persistenz der Acne vulgaris im Erwachsenenalter.4,5 Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.3,6-9 Die Erkrankung tritt dann vor allem bei Frauen im Alter zwischen 21 und 30 Jahren auf.

 

Skinoren

Pathogenese und Genetik

Die Acne vulgaris geht auf vielfältige Ursachen zurück. Neben einer genetischen Prädisposition10 können auch folgende Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Hauterkrankung spielen:1,5,11
Vermehrte Talgproduktion (Seborrhö) 
Follikuläre Verhornungsstörung
Besiedlung der Follikel durch Bakterien (Cutibacterium acnes) 
Freisetzung von Entzündungsmediatoren in die Haut

Acne vulgaris bei erwachsenen Frauen kann durch zahlreiche Faktoren getriggert werden. Zu den Risikofaktoren zählen die vermehrte Sekretion von Androgenen, was v. a. zu Schüben in der Zeit vor der Menstruation führt, das polyzystische Ovar und Stress. Daneben können auch Rauchen, bestimmte Kosmetikprodukte und eine übermäßige Sonnenexposition eine Acne vulgaris bei erwachsenen Frauen hervorrufen.12,13 

Klinik und Diagnostik

Die Acne vulgaris manifestiert sich je nach Art und Ursache der Erkrankung mit verschiedenen klinischen Bildern (Komedone, Papeln, Pusteln, Knoten). Vorwiegend betroffen sind Bereiche des Gesichtes, des Rückens und der Brust. 
Bei erwachsenen Frauen liegen in der Regel andere klinische Merkmale der Hauterkrankung vor als bei Jugendlichen:14 Die größten Unterschiede liegen im betroffenen Gesichtsbereich (T-Zone bzw. U-Zone), im Vorliegen von Entzündungen und im Auftreten von Komedonen.15-19

Tabelle: Unterschiede in der klinischen Ausprägung der Acne vulgaris

Die Acne vulgaris führt bei erwachsenen Frauen häufig neben den typischen Symptomen auch zu psychischen Problemen. Die Hauterkrankung kann beispielsweise Einfluss auf das Selbstwertgefühl, auf persönliche Beziehungen und auf das Berufsleben der Betroffenen haben.18 

 

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Der Familien- und Medikamentenanamnese wird dabei eine besonders bedeutende Rolle zugespielt. Zudem sollten hormonelle Erkrankungen ausgeschlossen werden.1

Differenzialdiagnostisch sind vor allem die Rosazea (keine Komedonen, höheres Alter der Patienten) und die periorale Dermatitis (keine Komedonen, nicht an den aknetypischen Hautbereichen, sondern isoliert perioral) zu berücksichtigen.1

 

Therapie

Die einzuleitenden Therapiemaßnahmen sind abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Zur Behandlung der Acne vulgaris stehen topische und systemische Therapien zur Verfügung.1,5 
Mildere Formen sollten zunächst mit topischen Arzneimitteln behandelt werden. Hierfür eignet sich beispielsweise Benzoylperoxid (Waschsuspension), Azelainsäure oder topisches Retinoid. Liegt eine stark entzündliche Form der Hauterkrankung vor, so ist eine zusätzliche systemische Antibiotika-Therapie empfehlenswert.1,4,5,20
Bei schweren Verlaufsformen bleiben häufig deutlich sichtbare Aknenarben zurück.1 In diesem Fall sollte eine systemische Therapie (z. B. mit Retinoiden, Hormonen in Form von Kontrazeptiva bei Frauen) eingeleitet werden, um eine langfristige Besserung und Abheilung zu unterstützen.1,2,4,20
 

Quellen

1. Sterry W; Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, 2. Auflage. 2018. 
2. Suva MA, Patel AM, Sharma N et al.; Research & Reviews: Journal of Pharmacology. 2014; 4:1-12.
3. Perkins AC, Maglione J, Hillebrand GG et al.; J Womens Health (Larchmt). 2012; 21:223-30.
4. Nast A, Bayerl C, Borelli C et al.; S2k – Leitlinie zur Therapie Akne. AWMF online. 2011. Aufrufbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-017l_S2k_Behandlung_der_Akne_2011-abgelaufen.pdf. Zuletzt aufgerufen: Juni 2019.
5. Zaenglein AL, Pathy AL, Schlosser BJ et al.; J Am Acad Dermatol. 2016; 74:945-973.
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