Atopisches Ekzem

Das Atopische Ekzem, auch Neurodermitis oder Atopische Dermatitis, ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende, nicht kontagiöse Hauterkrankung, die meist mit starkem Juckreiz verbunden ist.

Epidemiologie und Klassifikation

Das Atopische Ekzem kommt häufig schon bei Kindern vor. Bis zur Einschulung leiden in Europa etwa 10 bis 15 % der Kinder wenigstens zeitweilig unter dem Atopischen Ekzem. Im Erwachsenenalter tritt es nicht mehr so häufig auf: Die Prävalenz liegt in Deutschland derzeit zwischen 1,5 und 3 %.

Extrinsische Form: Ein signifikanter Anteil der Patienten (je nach Studie 50 bis 80 %) weist IgE-vermittelte Sensibilisierungen gegen Aeroallergene und/oder Nahrungsmittelallergene auf.

Intrinsische Form: Diese nicht IgE-assoziierte Form des Atopischen Ekzems hat ein identisches klinisches Bild, jedoch keine entsprechende Sensibilisierung gegen Allergene.

Pathogenese und Genetik

Die Ursache des Atopischen Ekzems ist nicht bekannt. Sowohl die genetische Prädisposition als auch zahlreiche Provokationsfaktoren spielen jedoch eine wichtige Rolle.

Genetische Disposition

Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine genetische Prädisposition für das Atopische Ekzem. Beispielsweise ist das Risiko, dass ein Kind eine atopische Erkrankung wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma bronchiale entwickelt, am höchsten, wenn beide Elternteile unter der gleichen atopischen Erkrankung leiden (60 bis 80 %). Zudem ist die Konkordanz von homozygoten Zwillingen mit 75 % deutlich erhöht gegenüber der von heterozygoten Zwillingen (23 %).

Provokationsfaktoren

Das Wissen über die möglichen Provokationsfaktoren und wie man sie meiden oder reduzieren kann ist Teil eines individuellen Behandlungsplans. Die häufigsten Provokationsfaktoren sind:

  • Irritation der Haut u. a. durch Textilien, Schwitzen, falsche Hautreinigung, berufliche Tätigkeiten und Tabakrauch
  • IgE-vermittelte Allergien auf Hausstaubmilben, Tierepithelien, Pollen, Nahrungsmittel: bei Kindern vor allem Milch, Ei, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss und Fisch und bei Erwachsenen pollenassoziierte Nahrungsmittelallergene wie Obst, Gemüse, Nüsse.
  • Mikrobielle Faktoren
  • Klimatische Faktoren wie extreme Kälte bzw. Trockenheit und Schwüle
  • Psychischer Stress bzw. emotionale Faktoren
  • Hormonelle Faktoren, z. B. Schwangerschaft und Menstruation

Klinik und Diagnostik

Neurodermitis - Klinik und Diagnostik

Folgende charakteristische Hauterscheinungen weisen auf ein Atopisches Ekzem hin:

  • Sehr trockene Haut
  • Ekzeme (Dermatitis, entzündliche Reaktionen der Haut), oft begleitet von starkem Juckreiz
  • Chronischer Verlauf
  • Verdickung der Haut nach längerer Erkrankung (Lichenifikation)
  • Einrisse der Haut (Rhagaden)

Bei Kindern bis 2 Jahren sind meist Ekzeme im Bereich des Gesichtes, der Kopfhaut sowie streckseitig vorherrschend. Später kommt es häufig zu Beugenekzemen (meist Ellenbeuge oder Kniebeuge). Bei Erwachsenen kommen noch Handekzeme oder die sogenannte Prurigoform mit stark juckenden Knötchen und Knoten hinzu.

Diagnose

Zur Diagnostik gehören Anamnese, inkl. der atopischen Eigen- und Familienanamnese, die Untersuchung des gesamten Hautorgans sowie eine komplette Dokumentation. Darüber hinaus sollten auch mögliche psychosomatische, ernährungsbedingte oder durch andere Umgebungsfaktoren bedingte Auslöser ermittelt werden. Im Einzelfall kann auch eine Probebiopsie zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung indiziert sein

Therapie

Basispflege

Zur Therapie des Atopischen Ekzems gehört, neben der Vermeidung der Provokationsfaktoren und einer eventuellen Ernährungsumstellung, die Basispflege mit wirkstofffreien Cremes, Salben und Ölbädern. Diese ersetzt fehlende Fette der Haut und hilft so, die natürliche Barrierefunktion wiederherzustellen.

Topische medikamentöse Therapie

Hierzu zählen entzündungshemmende Therapien, z. B. mit einem entzündungshemmenden Corticoid, als Creme oder Salbe (TCS). Moderne Cortisonpräparate haben ein günstiges Wirkungs-Nebenwirkungsprofil. Als wirkungsvolle Behandlungsalternative zu Cortisonpräparaten stehen seit über zehn Jahren sogenannte topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) zur Verfügung. Neben der Therapie von akuten Ekzemschüben wird heute in bestimmten Fällen eine längerfristige proaktive Therapie mit topischen Calcineurin-Inhibitoren durchgeführt. Ziel ist es, ein Wiederaufflammen der Ekzeme zu verhindern und die schubfreie Zeit zu verlängern. Darüber hinaus kommen beim Atopischen Ekzem unter anderem auch systemische Therapien, Phototherapie, Klimatherapie sowie psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz.

< class=""> Quellen
  1. S2k-Leitlinie Neurodermitis, Stand 2015 (zuletzt besucht am 30.03.2016).
    http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-027.html
  2. Guideline „Atopic Eczema (Atopic Dermatitis)“, Stand 2014 (zuletzt besucht am 30.03.2016).
    http://www.euroderm.org/edf/index.php/edf-guidelines/category/5-guidelines-miscellaneous