Aktinische Keratosen

Aktinische Keratosen sind raue, schuppige Hautläsionen, die – meist multipel – in Körperbereichen auftreten, die chronisch UV-Licht ausgesetzt sind. Aktinische Keratosen sind Präkanzerosen, sie werden auch als In-situ-Platteneptithelkarzinome bezeichnet.

Epidemiologie und Risikofaktoren

Aktinische Keratosen kommen in Gebieten der Erde mit hoher UV-Einstrahlung häufiger vor als in Regionen mit geringer Sonneneinstrahlung. Entscheidend für die Entstehung Aktinischer Keratosen ist die kumulative UV-Exposition. So spielt neben geographischen Einflüssen wie Höhe und Breitengrad, berufs- und freizeitbedingter UV-Exposition auch z. B. der Hauttyp als Risikofaktor eine Rolle. Erkrankungen mit DNA-Reparatur-Defekten und Immunsuppression können die Entstehung von Aktinischen Keratosen begünstigen. Dass Männer häufiger an Aktinischen Keratosen erkranken als Frauen, hängt wahrscheinlich mit Unterschieden bei beruflicher und freizeitbedingter Sonnenexposition und bei der Kopfbehaarung zusammen.

Im Expertenvideo erklärt Prof. Dirschka das Krankheitsbild und die Feldtherapie der Aktinischen Keratosen:

 

Einteilung und Prognosekriterien

Über die Klassifikation Aktinischer Keratosen wird in Fachkreisen viel diskutiert. Histologisch erfüllen Aktinische Keratosen alle Kriterien eines Plattenepithelkarzinoms und stellen somit ein Carcinoma-in-situ dar. Abhängig vom Beobachtungszeitraum können Aktinische Keratosen in bis zu 10 % der Fälle in ein invasives Plattenepithelkarzinom übergehen.

Die histologische Gradeinteilung erfolgt anhand des Ausmaßes keratinozytärer Atypien. Bei AK I (mild) finden sich diese nur im unteren Drittel der Epidermis, bei AK II (moderat) auch im mittleren Drittel und bei AK III ist die gesamte Epidermis betroffen.

 

Aktinische Keratose, Picato, heller Hautkrebs

Pathogenese und Genetik

Aktinische Keratosen entstehen überwiegend durch kumulative Sonnenlicht-Exposition (solare Keratose). UVB-Strahlung kann direkt DNA-Schäden verursachen. Mutationen beispielsweise im Tumorsuppressor-Gen p53 können zur Bildung von Keratinozyten-Klonen führen, aus denen sich Aktinische Keratosen entwickeln können. Neben der klassischen Entwicklung eines invasiven Plattenepithelkarzinom aus einer AK III-Läsion existiert auch ein alternativer Weg, bei dem ein invasives Plattenepithelkarzinom bereits aus einer AK I-Läsion enstehen kann.

 

Aktinische Keratose, Picato, Stockfleth, heller Hautkrebs

Klinik und Diagnostik

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Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, ggf. kann eine Dermatoskopie die Differenzialdiagnose erleichtern. Im Einzelfall kann eine histopathologische Untersuchung notwendig sein.

Aktinische Keratosen treten fast ausschließlich an exponierten Stellen auf, den sogenannten „Sonnenterrassen“, wie z. B. Armen, Handrücken, Dekolleté, Hals und Kopf. Läsionen am Lippenrot werden als Cheilitis actinica bezeichnet.

Aktinische Keratosen erscheinen als hautfarbene oder rötlich-braune, raue, schuppende Flecken, Papeln oder Plaques. Klinisch und histologisch lassen sich verschiedene Subtypen unterscheiden: hypertroph, atroph, bowenoid, akantholytisch und pigmentiert. Aktinische Keratosen treten selten einzeln auf, meist ist ein ganzer Hautbereich betroffen (Feldkanzerisierung). Die Größe der einzelnen Läsion kann von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern reichen.

Therapie

Da Aktinische Keratosen in ein invasives Plattenepithelkarzinom übergehen können, ist eine Indikation zur Behandlung in jedem Fall gegeben. Bei der Entscheidung für die eine oder andere Therapieform spielen Faktoren wie Lokalisation und Ausdehnung der Läsionen, Hautkrebsanamnese, Alter und Adhärenz des Patienten und Vorliegen weiterer Risikofaktoren eine Rolle.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören neben Kürettage und Kryotherapie die topische Therapie mit Gelen und Salben sowie Photo- und Lasertherapie. Operative Verfahren sind effektiv. Der Vorteil topischer Verfahren liegt in der Möglichkeit einer flächigen Behandlung (Feldkanzerisierung), der Miterfassung subklinischer Läsionen und einem kosmetisch guten Ergebnis.

 

Im Expertenvideo spricht Dr. Kai-Martin Thoms über die neue internationale Leitlinie zur Therapie aktinischer Keratosen und seine Erfahrungen mit Ingenolmebutat:

 

Ausführliche Informationen finden Sie in der S3-Leitlinie zur Behandlung der Aktinischen Keratosen.

Quellen

1. Evidence and consensus based (S3) Guidelines for the Treatment of Actinic Keratosis, Update 2015
2. Fernández-Figueras MT et al., JEADV 2015; 29(5):991-7